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Erfahrungsbericht aus dem Intensivkurs Woche 4

In der vierten Woche des Schauspiel-Intensivkurses gab es für mich eine wesentliche Erkenntnis: das innere Erleben auf der Bühne ist wichtig – aber nicht alles! Wenn der Zuschauer davon nichts oder nur wenig mitbekommt, bringt es leider wenig. Leichter gesagt, als getan… Mir persönlich fällt es – mit entsprechender Vorbereitung – relativ leicht mich in Figuren und Situationen einzufühlen und ins innere Erleben zu kommen. Im Eifer des Gefechts bekomme ich dann leider nicht immer mit, wie viel davon wirklich beim Publikum ankommt.

Bei der ersten Version meiner Irmgard-Szene, in welcher sie ihrem verstorbenen Mann begegnet (siehe Blog letzte Woche), wurde das gut sichtbar. Ich bin tief in das Erleben und Fühlen eingestiegen. Habe mir konkret vorgestellt, dass mein Mann seit einigen Monaten tot ist und ich, als Irmgard, ganz allein, schlafend im Bett liege und einsam bin. Im Ergebnis, habe ich mich wahnsinnig vor meinem plötzlich nachts wieder vor mir stehenden Mann erschrocken. Ich konnte ihn kaum ansehen, hatte Panik, habe geweint, geschrien, mich in meinen Händen vergraben, weil ich es nicht wahrhaben wollte. Das alles innerhalb weniger Sekunden. Ich bin von 0 auf 100 gegangen. Leider habe ich vergessen mein Publikum mitzunehmen . Ich habe mein Pulver gleich am Anfang verschossen und so wurde die Szene bald uninteressant für den Zuschauer, da es keine Veränderung mehr gab. Ich war zwar im Erleben der Figur – aber es fehlten klare Handlungen und ein dramaturgischer Bogen. Ups! Gut, dass Johannes da war. Mit ihm konnte ich viel mehr aus der Szene herausholen und weiß jetzt wo meine Herausforderungen liegen. Wir haben die Motive der Figur stärker herausgearbeitet und die Szene in einzelne Handlungsstränge unterteilt. Wann realisiere ich überhaupt, dass der vor mir stehende Mann eigentlich tot ist? Und wie gehe ich damit um? Renne ich kreischend weg oder will ich vielleicht sogar, dass er da bleibt, weil ich ihn vermisse? Welche konkreten Handlungen folgen daraus? Außerdem haben wir durch Viewpoints in Raum und Zeit das Erleben nach außen stärker sichtbar gemacht: Wie ändert sich der räumliche Abstand zum „Geist“? Welche Tempoentscheidungen treffe ich? Wann kann ich Stops nutzen, um die Wirkung zu vergrößern? Die Szene hat einen technischen Rahmen und dramaturgischen Bogen bekommen – beides hat mir vorher gefehlt. Wenn ich dann mein inneres Erleben beibehalte… wird dem Zuschauer erst wirklich eine Geschichte erzählt! Und genau darum sollte es im Schauspiel doch gehen – oder?!

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