Emotion

Gutes Schauspiel bewegt und berührt uns emotional und oft ist es gerade der emotionale Ausdruck eines Schauspielers, der uns am eindrücklichsten in Erinnerung bleibt.

Vielleicht liegt gerade hierin eines der hartnäckigsten Missverständnisse über die Schauspielerei begründet: nämlich dass das wichtigste Ziel des Schauspielers das Ausdrücken von Emotionen sei.

Über die Tragweite dieses Missverständnisses könnte man ganze Bücher schreiben.

Falsch! Irrweg! Schnell vergessen!

Ok – hier ist der Brühwürfel:

Emotion ist ein wichtiges Nebenprodukt (aber eben auch nicht mehr!) im schauspielerischen Schaffen.

Im Zentrum der Darstellung steht immer die Identifikation des Schauspielers mit der Figur. Diese gelingt dadurch, dass der Schauspieler das szenische und übergeordnete Ziel  der Figur durch gründliches Studium des Stückes herausarbeitet und sich für die Darstellung zu eigen macht („Was will ich?“). Jeder Mensch, der ein Ziel verfolgt, entfaltet entsprechende Aktivität, die Handlungen der Figur („Was tue ich?“).

Je nachdem wie erfolgreich oder erfolglos die Handlung in Bezug auf das Ziel ist, wird sich eine emotionale Reaktion („Wie finde ich …?“) einstellen. Damit diese für den Schauspieler und damit für den Zuschauer erlebbar wird, ist emotionale Offenheit und körperliche Durchlässigkeit erforderlich. Dies gilt besonders für extreme und unangenehme Gefühle.

Fazit: Stelle niemals den Zustand der Figur in den Mittelpunkt der Darstellung, sondern immer das Ziel!

 

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