FAQ - Häufig gestellte Fragen rund ums Schauspieler werden und -sein

Schauspieler werden

Schauspieler werden kannst du auf unterschiedlichen Wegen.  Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Wir erläutern dir hier die wichtigsten Unterschiede:

 

Staatliche Schauspielschulen

Die mit Abstand besten Bedingungen Schauspieler zu werden bieten im deutschsprachigen Raum staatliche Schauspielschulen (Bachelor-Studiengang). Das Studium wird aus den Landeshaushalten finanziert und ist für die Studierenden kostenlos (von den allgemein üblichen Semester-Gebühren und den Schweizer Schauspielschulen abgesehen).

Linkliste zu allen deutschsprachigen staatlichen Schauspielschulen

Schauspielschul-Bewerber sollten zwischen 18 und 25 Jahren alt sein, in Einzelfällen sind Ausnahmen möglich. Die Eignung von Bewerbern werden im Rahmen einer Aufnahmeprüfung getestet. Begehrte Schulen haben jährlich über 1000 Bewerber auf durchschnittlich 10 Studienplätze. Die Prüfungsanforderungen sind entsprechend hoch. Die Ausbildung dauert in der Regel 3 ½  – 4 Jahre. Sie umfasst neben dem eigentlichen Schauspielunterricht zahlreiche andere Fächer wie Sprecherziehung, Tanz, Bewegungstraining, Kampfsport, Gesang, Fechten u.v.m. Am Ende des Studiums steht eine Abschlussprüfung und das Absolventenvorsprechen vor Fachleuten aus Theater und Film und Arbeitsvermittlern der ZAV. Absolventen staatlicher Schauspielschulen starten durchschnittlich mit Mitte 20 in den Beruf.

→ Vorbereitung bei actorfactory

Bei actorfactory sind wir  auf die effektive Vorbereitung auf die hohen Aufnahmevoraussetzungen staatlicher Schauspielschulen durch Kurse und Einzelunterricht spezialisiert und können auf hohe Erfolgsquoten verweisen.

 

Private Schauspielschulen

Es gibt zahlreiche private Schauspielschulen, teils mit teils ohne staatliche Anerkennung als Berufsfachschule. Auch die Anerkennung als Berufsfachschule sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Qualität und Umfang der Ausbildung nicht mit jener von staatlichen Schauspielschulen mithalten können. „Staatlich anerkannt“ bedeutet nicht „Staatliche Schauspielschule“!

Private Schauspielschulen sind durch ihre aufwändige Kostenstruktur im ständigen Zielkonflikt zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von zahlenden Schülern steht im Widerspruch zur nötigen Unabhängigkeit bei der Beurteilung von Eignung und Leistungsstand von Studenten. So sehen sich Privatschulen oftmals gezwungen Bewerber aufzunehmen, deren spätere Berufsperspektive aufgrund ihres Alters oder anderer ungünstiger Voraussetzungen im Grund gleich Null sind. (Wer mit 35 in den Beruf startet muss sich darüber klar sein, dass er in einem ohnehin hartumkämpften Berufsumfeld mit bestens ausgebildeten Schauspielern konkurriert, die inzwischen 10 Jahre Berufserfahrung haben…). Der Fairness halber muss gesagt werden, dass es auch immer wieder Absolventen privater Schauspielschulen gibt, die sich erfolgreich als Schauspieler etablieren.

Wie du siehst, sehen wir bei actorfactory private Schauspielschulen sehr kritisch und haben uns ganz bewusst nicht als Schauspielschule positioniert. Wir möchten jedem Schüler jederzeit unabhängig und ehrlich sagen können, wo er wirklich steht.

 

Selbstorganisiertes Schauspielstudium

Eine interessante Alternative zur Schauspielschule kann das selbst organisierte Schauspielstudium sein. Hierbei stellt sich der Schauspielstudent sein Ausbildungsprogramm in Eigenregie zusammen und sucht sich die besten Lehrer auf dem Markt. Durch die hohe Flexibilität können Lern- und Jobphasen je nach Bedarf organisiert werden. Auch Theater- und Filmjobs sind mit diesem Modell vereinbar, daher ist es aus unserer Sicht auch für Quereinsteiger die beste Wahl.

Die im Vergleich zur privaten Schauspielschule etwas höheren Kosten für den Unterricht werden durch die höhere Qualität und den gezielteren individuelleren Input mehr als wettgemacht. In weniger Zeit kommt mehr heraus! Genau hier setzen unsere Unterrichts- und Coachingangebote an: Da jede einzelne Stunde aus eigener Tasche bezahlt werden muss, studieren Privatschüler meist fokussierter, effizienter und eigenständiger.

Privatschüler können bei der ZAV vorsprechen und in die Künstlerkartei aufgenommen werden.

Eine private Schauspielausbildung ist nicht für jeden geeignet. Sie setzt ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Flexibilität, Selbstreflexion und Beharrlichkeit voraus. Genau diese Eigenschaften sind später im Beruf jedoch ebenso entscheidend. Insofern haben Privatschüler manchen Schauspielschulabsolventen Einiges voraus.

 

Schauspieler werden ohne Ausbildung und Quereinstieg

Sehr viel seltener – wenn auch nicht unmöglich – ist der Berufseinstieg ohne Schauspielausbildung – zumindest als Filmschauspieler. Hierbei spielt oftmals früher Erfolg beim Film oder im Synchrongeschäft die entscheidende Rolle. Prominente Beispiele sind Franka Potente, Daniel BrühlJürgen VogelChristiane Paul oder Jonas Nay. Auch Musiker, Models und andere Kreative suchen immer wieder als Quereinsteiger den Weg in die Schauspielerei. Wie nachhaltig diese Karrieren sind, hängt zum Einen vom Bekanntheitsgrad, zum Anderen vom handwerklichen Können ab, das sich ein Schauspieler noch ergänzend erwirbt.

Individuelle Trainingsmöglichkeiten finden Schauspieler bei uns im Rahmen von Einzelcoaching oder z.B. der Trainingsklasse.

 

Fazit:

Jeder kann sich Schauspieler nennen, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Wer Schauspieler werden und über Jahre und Jahrzehnte als Profi-Schauspieler den unterschiedlichsten Anforderungen gewachsen sein will, muss sich – auf welchem Wege auch immer – ein umfangreiches Können aneignen und dieses im Laufe der Jahre beständig weiterentwickeln. Einsteiger unterschätzen dabei regelmäßig, welch vielfältige Fertigkeiten im Schauspiel erlernt und unter einen Hut gebracht werden müssen.

Die wichtigsten Voraussetzungen Schauspieler zu werden sind Geduld, Disziplin, Mut und Hartnäckigkeit. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Punkten, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen:

 

Alter

Das ideale Alter um Schauspieler zu werden ist zwischen 17 und 26 Jahren, also als junger Erwachsener.

In diesem Alter ist einerseits bereits eine gewisse Reife vorhanden, andererseits haben sich Verhaltensmuster (Bewegung, Sprache, zwischenmenschliches Verhalten) noch nicht so verfestigt, dass sie nur noch mit Mühe veränderbar sind. Schließlich wollen wir ja in der Lage sein, die unterschiedlichsten Menschen darzustellen und nicht nur uns selbst.

 

Abitur

Als künstlerische Berufsausbildung ist für das Schauspielstudium das Abi nicht unbedingt erforderlich. Es gibt allerdings manche staatliche Schauspielschulen (z.B. Otto-Falckenberg, München), die das Abitur voraussetzen.

 

Aussehen

Attraktivität spielt im Schauspiel durchaus eine Rolle. Gerade beim Film werden „schöne“ Menschen häufig bevorzugt, auch wenn das tatsächliche Können überschaubar ist. Von daher kann gutes Aussehen tatsächlich Karrieren begünstigen. Schauspiel ist Entertainment, Showbiz.

Schauspiel ist aber glücklicherweise auch Kunst. In der Kunst geht es schon lange nicht mehr nur um bloße Schönheit sondern auch um das „Interessante“. Schauspieler sollten daher vor allem interessant sein. Schönheitsfehler, Macken, Eigenheiten, Falten und Speck machen Figuren oft erst einzigartig und unverwechselbar.

Ein interessanter Schauspieler, der zu seinen Eigenheiten steht, kann viel spannender sein als ein Schönling.

 

Körper / Beweglichkeit

Der Beruf des Schauspielers bringt vielfältige physische Anforderungen mit sich, daher sind Fitness, Beweglichkeit, Körpergefühl und Koordination wichtig. Aus ärztlicher Sicht muss ein Schauspieler auf jeden Fall „sportgesund“ sein. Es dürfte kaum Schauspieler geben, die nicht schon in ihrer Kindheit und Jugend körperlich aktiv waren – sei es sportlich, tänzerisch oder in anderer Körperarbeit wie z.B. Yoga. Es ist kaum vorstellbar, dass jemand Schauspieler wird, der den Großteil seiner Lebenszeit vor dem Fernseher oder Computer verbracht hat.

Allzu starke Spezialisierungen können jedoch problematisch sein: Viele langjährige Balletttänzer sind im Bauchbereich häufig sehr fest und tun sich schwer mit der Bauchatmung. Bodybuilder mögen wohlgeformte Muskeln haben, sind aber oft auch sehr unbeweglich. Diese jahrelang trainierten Gewohnheiten wieder loszuwerden, kann eine ziemliche Herausforderung sein.

Eine sportliche Figur ist häufig von Nutzen (siehe „Aussehen“), aber auch Schauspieler mit kräftigerem Körper und gutem Körpergefühl sind gefragt.

Körperliche Beeinträchtigungen und Handicaps müssen nicht zwingend das Aus bedeuten. Es gibt Schauspieler mit Trisomie, Epilepsie, Kleinwüchsigkeit, Seh- und Hörbeeinträchtigungen u.v.m.

 

Musikalität

Die Kunst des Schauspielers manifestiert sich in der Zeit. Ein Gefühl für Timing und Rhythmus sind dabei natürlich sehr hilfreich. Auch im stimmlichen Ausdruck ist ein musikalisches Gefühl von Vorteil. Das Beherrschen eines Instruments oder „Singen können“ ist nicht Bedingung, aber ganz sicher von Nutzen. Insgesamt geht es aber eher um eine „musische Veranlagung“ und die Fähigkeit mit dem ganzen Körper zu „hören“. Ähnlich wie beim Sport ist eine frühe Beschäftigung mit Musik in Kindheit und Jugend daher sicher förderlich.

 

Gesang

Gerade im Theater wird Gesang  häufig eingesetzt – nicht nur in Brecht-Stücken. In jeder guten Schauspielausbildung darf daher auch Gesangsunterricht nicht fehlen. Dabei müssen Schauspieler nicht das technische Niveau eines Opernsängers erlangen. Es geht vielmehr ums Geschichtenerzählen mit Musik. Keine Angst also, wenn du bei der Aufnahmeprüfung etwas vorsingen sollst.

Sei ehrlich: Du erwartest, dass jetzt hier „Ernst Busch“ steht, stimmts? Oder Lee Strasberg Institute, New York. Vergiss das. „Die beste Schauspielschule“ gibt es nicht! Ja, die Qualität der Absolventen der „Busch“ ist regelmäßig sehr hoch. Aber die Schule passt nicht für jeden.

Besser ist es zu fragen:

→ Welche Schauspielschule ist für mich die Beste?

→ Wo werde ich mit meinen Eigenheiten und Defiziten am besten gefördert und herausgefordert?

→ Kann ich mich mit Autorität und Druck besser entwickeln?

→ Brauche ich eher Freiraum und komme mit einem großen Maß an Eigenverantwortung klar?

→ Entfalte ich mich besser in einem ganzheitlich orientierten Schulumfeld wo Fördern und Fordern gut ausbalanciert sind und Lehrer die Fähigkeiten haben sensibel meine Schwächen in Stärken zu verwandeln?

Um das herauszufinden, werde aktiv: Manche Schulen haben einen Tag der offenen Tür. Geh hin! Mehrmals jährlich zeigen die jeweiligen Jahrgänge der Schauspielschulen Zwischenergebnisse. Schau es dir an! Auch die Vorspiele der jeweiligen Absolventen der staatlichen Schulen können meist von Interessierten besucht werden. Schau mal → hier!

Oder kontaktiere uns! Im Rahmen unserer Prüfungsvorbereitung und Kurse geben wir dir Empfehlungen, die zu dir passen.

Eine Schauspielausbildung dauert in der Regel 3 bis 4 Jahre.

Manche Privatschulen bieten kürzere Ausbildungszeiten. Hier ist Vorsicht geboten. Auf dem Arbeitsmarkt werden sich in der Regel diejenigen Schauspieler mit der besten und gründlichsten Ausbildung durchsetzen.

Finger weg von Versprechen wie „Filmschauspieler in 9 Monaten“!

Erste Runde…

Im Normalfall werden in der ersten Runde der Aufnahmeprüfung 2-3 Rollenausschnitte verlangt. Hier sollte eine klassische, eine moderne  und eine komische Rolle dabei sein. Zusätzlich wird häufig noch ein Lied und/oder Gedicht erwartet. Von Schule zu Schule können die Anforderungen variieren. So erwartet die UdK z.B. immer auch eine selbstgeschriebene Szene und gibt jährlich einen Pflichtautor vor, aus dessen Werk eine Szene vorgespielt werden muss. Details findest auf der Webseite der jeweiligen Schulen. Eine Linkliste findest du hier.

 

Zweite, dritte, vierte Runde…

Wenn die Prüfungskommission dich zur nächsten Runde der Aufnahmeprüfung zulässt kann es gut sein, dass du eine weitere Rolle genannt bekommst, die du vorbereiten sollst. Dies hat meist den Hintergrund, dass du hier Aspekte zeigen kannst, die die Kommission bisher noch nicht ausreichend gesehen hat. Sieh es als Chance! Ab der 2. Runde wirst du dann auch in ergänzenden Fächern auf Eignung geprüft:  Z.B. Bewegungstraining, Sprechen, Musikalität, Interaktivität, Improvisation, Singen etc. Das geschieht häufig in Gruppen. Es macht also durchaus Sinn sich in der Vorbereitung nicht ausschließlich mit solistischen Vorsprechszenen zu befassen sondern auch das Spiel mit Anderen zu üben oder die eigene Beweglichkeit zu verbessern.

Längerfristig planen!

Nimm dir genug Zeit für die Vorbereitung. Erfolgreiche Bewerber an Schauspielschulen kommen heute selten „aus dem Nichts“. Viele haben sich bereits seit Jahren mit dem Spielen beschäftigt: in professionell geleiteten Theatergruppen für junge Schauspielinteressierte (mal auf den Webseiten der Schauspielhäuser schauen), in Schauspielkursen oder im Schauspielunterricht wie bei uns.

 

Professionelle Unterstützung

80 % der Bewerber, die sich langfristig und systematisch bei actorfactory auf Aufnahmeprüfungen vorbereitet haben, haben es schließlich auf eine staatlichen Schauspielschule geschafft. Diese beachtliche Quote zeigt, dass systematische Vorbereitung mit Experten wirklich was bringt. 1-2 Jahre solltest du durchaus einplanen. Wenn es dann schneller geht – auch gut. Wir helfen dir ganz gezielt, diejenigen Defizite zu überwinden, die einer erfolgreichen Bewerbung im Wege stehen.

Wenn du dich bereit für die Bewerbung fühlst, fange rechtzeitig mit der Prüfungsvorbereitung an! Du wirst einige Wochen bis Monate Zeit brauchen Stücke und Rollen zu lesen, geeignete Rollen auszuwählen, zu verwerfen, bessere zu wählen, auszuarbeiten und so einzustudieren, dass du bei der Prüfung dein Talent auch wirklich zur Geltung bringen kannst. Wenn du unsicher bei der Auswahl der Rollen und beim Erarbeiten bist hole dir Unterstützung!

Ja, es gibt Bewerber, die sich kurzentschlossen zu einer Aufnahmeprüfung anmelden und auf Anhieb genommen werden. Es gibt auch jede Woche Menschen, die im Lotto gewinnen. Es gibt Lionel Messi. Für alle anderen gibt es zum Glück actorfactory!

An staatlichen Schauspielschulen bewerben sich regelmäßig mehr Frauen als Männer. Schon rein statistisch haben Frauen es also schwerer sich durchzusetzen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Frauen oft auch besser vorbereitet sind als Männer. So ergibt sich oft die paradoxe Situation, dass Bewerberinnen abgelehnt werden, die eigentlich „besser“ sind als manche aufgenommenen Männer. Hinter vorgehaltener Hand spricht man auch vom „Männerbonus“.

Diese Ungleichheit setzt sich später im Beruf fort: Ein Blick in ein beliebiges Reclamheft oder in den Abspann eines Filmes zeigt: es gibt mehr Männer- als Frauenrollen.